Das Gesicht ist in der Ebbegemeinde kein Unbekanntes: Daniel Brandes stammt aus Herscheid und lebt auch hier. Nun wird er auch beruflich einmal die Woche in seiner Heimat tätig sein, denn immer donnerstags von 8 bis 16 Uhr wälzt er die Akten im Archiv. Das befindet sich seit 2023 in den Räumen der ehemaligen Gemeindebücherei, in der unteren Etage des Rathauses, gegenüber des Bürgersaals.
Für sein Studium verließ Brandes für einige Zeit Herscheid, kehrte aber mit einem Doppel-Master-Abschluss in Archäologie und Geschichte zurück. Zunächst bekam er einen Job in der LWL-Archäologie-Außenstelle Westfalen in Olpe, dann führte ihn sein Berufsweg über das Gemeindearchiv Finnentrop und das Kreisarchiv des Märkischen Kreises 2023 ins Stadtarchiv Plettenberg. In diesem Jahr ergab sich dann die Möglichkeit einer interkommunalen Zusammenarbeit von Plettenberg und Herscheid, die er als Herscheider begrüßt.
Daniel Brandes’ Arbeit in Plettenberg und Herscheid besteht größtenteils aus Aufgaben, die sich in drei Säulen unterteilen lassen: Rechtssicherung, das Archiv als Dienstleister für die Verwaltung sowie Bürgeranfragen und lokale Geschichtsarbeit.
Hilfe bei Familienforschung
Ein nicht zu unterschätzender Anteil an der Archivarbeit seien Anfragen zu Staatsbürgerschaften, die z. B. im Rahmen von Einbürgerungsanträgen gestellt werden. Meist handele es sich dabei um EU-Bürger, die in Erfahrung bringen möchten, ob Verwandte beispielsweise vor vielen Jahren hier geboren wurden. Verstärkt kamen derartige Nachfragen aber auch von Briten im Zuge des Brexits.
„Spannend sind natürlich die Kontakte mit Bürgerinnen und Bürgern aus dem Ausland, die auf der Suche nach ihren Vorfahren und eigenen Wurzeln sind. Erst neulich bekam ich Besuch von einem Mann aus Miami, dessen Mutter in Plettenberg aufgewachsen war, aber als Jüdin im Dritten Reich in die USA floh. Er wollte die Geschichte seiner Mutter nachvollziehen können. Es war schon sehr emotional und sehr spannend, ihm und seinen Kindern dem Geburtsort seiner Mutter zeigen zu können“, erzählt Brandes.
Digitalisierung der Akten ist eine Mammutaufgabe
Ob mittelalterliche Urkunden, Personenstandsbücher oder auch Ratsprotokolle – im Herscheider Gemeindearchiv wird archiviert, was in Zukunft noch einmal von Relevanz sein könnte. Eine Mammutaufgabe wird es sein, diese Akten zu digitalisieren. „Das ist ein Punkt, den ich voranbringen möchte“, sagt der Geschichtsexperte, denn „Daten sind natürlich viel einfacher und schneller gefunden, wenn sie nur mit ein, zwei Klicks abzurufen sind“, so Brandes. Er freut sich jedenfalls auf seine Zeit im Herscheider Archiv.
Der Archivar ist erreichbar unter der Tel. 02357/ 909340, donnerstags von 8 bis 16 Uhr, und per E-Mail: [email protected].