Interview.

Vier Kandidaten wollen Bürgermeister in Schalksmühle werden. Am 14. September fällt die Entscheidung. In Interviews mit LokalDirekt erklären sie, was sie antreibt und welche Pläne sie für die Gemeinde haben. Weiter geht's mit Hajo Kapfer, Kandidat der SPD. Das Gespräch fand im Juni statt.

Geboren wurde Hajo Kapfer vor 55 Jahren in Hagen, war aber, wie er im Gespräch mit LokalDirekt betont, bereits nach zwei Tagen wieder zurück in Schalksmühle - wo er seitdem lebt. Der Vertriebsingenieur ist verheiratet und hat insgesamt neun Kinder großgezogen - drei eigene, sechs stammen aus der ersten Ehe seiner Frau. Sein größtes Hobby ist die Musik, die er nicht nur hört, sondern auch, in Form von Schallplatten, sammelt.


LokalDirekt: Als Treffpunkt sollten Sie einen Ort in der Gemeinde wählen, der eine besondere Bedeutung für Sie hat. Nun sind wir hier - warum?

Hajo Kapfer: Ich habe mich für die Grundschule Klagebach entschieden, weil ich diese einst selbst besucht habe - und die Verbindung zu diesem Ort bis zum heutigen Tage nicht verloren habe. Mittlerweile ist hier die Tafel untergebracht, für die meine Frau sich sehr engagiert, und deren Arbeit ich für unfassbar wichtig halte.

LokalDirekt: Beschreiben Sie sich selbst in drei Worten. Ohne weitere Erklärung.


Lustig. Familiär. Aufgeschlossen.

LokalDirekt: Was bringt Sie zum Lachen?


Fast alles - zusammengefasst wohl alles, was mich nicht zum Weinen bringt.

LokalDirekt: Und was macht Sie wütend?


Ich werde schnell sauer, wenn die Dinge nicht so schnell voran gehen, wie ich es gerne hätte.


Schalksmühle - eine Bestandsaufnahme

LokalDirekt: Das Hotel zur Post wird saniert. Wie könnte das Objekt zu einer echten Chance für den Ortskern werden und welchen Beitrag könnten Sie als Bürgermeister dafür leisten?


Eigentlich kann es nur durch eine vernünftige Gastronomie zu einer echten Chance werden. Optimal wäre natürlich, einen Pächter zu haben, der sowohl Restaurant- als auch Hotelbetrieb bespielen kann. Wir von der SPD sind da aber generell für alle Optionen offen, egal, ob Einzel- oder Doppelbetrieb.

Multifunktionssporthalle - wenn ja, warum? Wenn nein, warum nicht?


Halle definitiv ja - denn der Bedarf ist eindeutig da. Ob es nun aber wirklich eine Multifunktionshalle sein muss - und wenn, in welchem Umfang - ist wiederum noch unklar, denn hier wurden bislang immer noch Zahlen in den Raum geworfen - soll die Halle nun eher 1.200 oder 800 Sitzplätze bieten, was ist gewünscht? Wichtig ist mir vor allem, dass die Halle auch zu Schalksmühle passt - und ob das, was so im Gespräch ist - Einrichtungen wie Tagungsräume, zum Beispiel - , wirklich notwendig ist, bezweifle ich. Außerdem stellt sich mir die Frage der Finanzierbarkeit - ich würde es ablehnen, Schulden für den Bau einer Multifunktionshalle zu machen.


LokalDirekt: Junge Menschen sagen: "Hier ist nix los" - Stimmt das? Und wenn ja, nennen Sie bitte mögliche Lösungsansätze.


Für dieses Problem haben unsere JuSos ja schon eine Lösung vorgeschlagen - in Form des von ihnen gewünschten Grill- und Chillplatzes. Wir haben darüber hinaus ein Jugendzentrum, das gut funktioniert, aber sicher noch besser angenommen werden könnte. Und wir sollten Aufenthaltsmöglichkeiten für Jugendliche im Freien schaffen, sei es durch den bereits erwähnten Grill- und Chillplatz oder einer Alternative dazu. Wir hatten am Mollsiepen vor ein paar Jahren mal einen Streetworker, der eine in einem Container untergebrachte Außenstelle des Jugendzentrums betreut hat - vielleicht könnte man eine vergleichbare Lösung noch mal anbieten, um Rückzugsorte für die jungen Leute zu schaffen. Die Sportvereine sind in dem Bereich auch bereits sehr aktiv und bieten viel an, sei es Handball, Fußball oder andere Sportarten. Hierzu ergänzend sollte man aber prüfen, ob man weitere Veranstaltungen und Aktivitäten für Kinder und Jugendliche im Alter zwischen sechs und 14 Jahren anbieten kann - für diese Altersgruppe halte ich das Angebot seitens der Gemeinde für unzureichend.


LokalDirekt: Apropos junge Leute - immer wieder wird die mangelhafte Anbindung der Gemeinde an den öffentlichen Personennahverkehr kritisiert. Wie könnte eine Lösung Ihres Erachtens aussehen?


Das ist tatsächlich ein Problem. Derzeit wird ja ein Stück weit auf eine Lösung hingearbeitet, bislang laufen jedoch nur Prüfaufträge - etwa zur Verdichtung der Vertaktung und der Anbindung nach Halver, auch am Wochenende. Das vergünstigte Deutschlandticket für Schüler läuft weiter, insofern haben die Kinder und Jugendlichen schon eine theoretische Möglichkeit, wegzukommen - aber eben auch nur, wenn überhaupt ein Bus fährt. Die Frage ist auch, ob wir die von uns geplante Verdichtung der Vertaktung überhaupt genehmigt kriegen. Die einzige Chance, die ich da sehe, ist, dass wir im Rahmen des Nahverkehrsplans an der Sache dranbleiben.

LokalDirekt: Leere Ladenlokale im Ortskern. Wie könnten die Gemeinde und Sie als Bürgermeister Schalksmühle wieder attraktiver für Einzelhändler machen?


Ich halte - wie bereits kürzlich in einer Sitzung von mir angedeutet - Pop-Up-Stores für eine gute Alternative. Altena geht da bereits mit gutem Beispiel voran, und auch wir haben genug leere Ladenlokale - sogar welche, die der Gemeinde gehören, die man den Unternehmern günstiger anbieten könnte. Außerdem können Einzelhändler auch Förderungen von der SIHK bekommen. So könnten sich neue Ladenbetreiber mal ohne Risiko ein halbes Jahr lang ausprobieren, und wenn sie sehen, dass es läuft - wurde so vielleicht nicht nur ein Leerstand beseitigt, sondern auch ein neuer Anziehungspunkt geschaffen, bestenfalls sogar für Menschen von außerhalb. Nach meinem Dafürhalten müssen wir da mal ein bisschen "out of the Box" denken, auch in Zusammenarbeit mit dem Stadtmarketing.

LokalDirekt: Welche weiteren Herausforderungen sehen Sie in der Gemeinde aktuell?

Die größte Herausforderung ist meines Erachtens die Haushaltslage. Vor drei Jahren hatten wir noch eine Rücklage in Höhe von 18 Millionen, nun liegen wir nur noch bei 11 Millionen. Dieses Defizit haben wir jedoch nicht, weil die Gemeinde schlecht wirtschaftet - sondern weil wir tatsächlich wahnsinnig abhängig sind von der Gewerbesteuer, die zu Spitzenzeiten mal die Hälfte unseres Einkommens ausgemacht hat, aktuell jedoch nur noch ein Drittel. In Verbindung mit den geplanten Projekten, wie zum Beispiel dem Feuerwehrgerätehaus Spormecke - und auch, wenn natürlich sowohl die Feuerwehr als auch der OGS-Ausbau Pflichtaufgaben sind, die man gerne erfüllt - sehe ich da noch einige Schwierigkeiten auf uns zukommen.

LokalDirekt: Die Anzahl der Einwohner sinkt: Wie könnte man Schalksmühle als Wohnort für junge Familien wieder attraktiver machen?


Ich muss ganz kurz widersprechen: In einer anderen Zeitung habe ich neulich noch gelesen, dass Schalksmühle gewachsen ist - um ganze 12 Einwohner. Aber Spaß beiseite: Welche Erwartungen stellen junge Familien denn? Sie wollen sicher wohnen - ich denke, das ist hier, mit Blick auf die Kriminalitätsrate, definitiv gegeben. Außerdem wollen sie gerne ländlich wohnen - auch das ist hier gegeben. Qualifizierte Schulen wünschen sie sich ebenfalls - und ich denke, dass wir da mit der Primusschule schon sehr gut aufgestellt sind, die allein vom Konzept her schon sehr attraktiv ist. Ein weiterer, entscheidender Punkt sind natürlich die Arbeitsplätze - viele Einwohner pendeln in die umliegenden Kommunen und Städte. Hier kann man nur hoffen, dass es den heimischen Unternehmen irgendwann wieder besser geht und sie investieren können. Womit wir auch wieder bei der Frage wären, ob Neubaugebiete geschaffen werden müssen - und ob in diesen wieder nur Einfamilienhäuser entstehen sollten wie in Stallhaus, oder ob auch Mehrfamilienhäuser eine Option wären.

Hajo Kapfer
Foto: Herold

Schalksmühle - Schule, Soziales, Familie, Digitalisierung

LokalDirekt: Das Pro-Kopf-Einkommen der Bewohner der Volmegemeinde ist höher als das der Düsseldorfer. Aber: Auch hier gibt es Armut. Wie könnten sozial schlechter gestellte Menschen von der Gemeinde aufgefangen und unterstützt werden?


Im ersten Schritt natürlich, indem wir Organisationen wie die Tafel unterstützen - und uns dafür einsetzen, dass diese erhalten bleiben. Darüber hinaus sollte meines Erachtens auch eine bessere Aufklärung über Möglichkeiten der Unterstützung erfolgen - so ist das Konzept "Bildung und Teilhabe" glaube ich gar nicht so bekannt, kann aber gerade Familien helfen, indem die Kosten für Sportvereine, Schulfahrten und Erstausstattung für die Einschulung übernommen werden. In Schalksmühle selbst könnten vielleicht auch Vereine einiges noch abfedern - obwohl das in so einer kleinen Gemeinde wie unserer natürlich schwierig ist.

LokalDirekt: In diesem Zusammenhang - Alleinerziehende, Frauen, ältere Menschen, Kinder: Wer wird in Schalksmühle Ihrer Meinung nach strukturell übersehen - und was möchten Sie im Falle Ihrer Wahl dagegen tun?


Strukturell übersehen - so weit würde ich hier gar nicht gehen. Im Bereich der Seniorenarbeit sehe ich jedoch noch Nachbesserungsbedarf: Der Altersdurchschnitt in der Gemeinde ist relativ hoch, und viele ältere Menschen, die in den 60er und 70er Jahren hier gebaut haben, fragen sich aktuell, was mit diesen Häusern passieren soll. Barrierefreier Umbau? Verkaufen? Umzug in eine Seniorenresidenz oder ein Altersheim? Viele Senioren fahren auch nicht mehr Auto - hier fände ich das Angebot eines Seniorentaxis sinnvoll. Ich könnte mir auch vorstellen, dass für Senioren, die freiwillig ihren Führerschein abgeben, dann die Taxi-Kosten anteilig übernommen werden. An Seniorenheimen mangelt es meines Wissen nicht in der Gemeinde. Was die Kinder betrifft - die Freizeitangebote sind, abgesehen vom Jugendzentrum, tatsächlich eher mau. Da fehlen mir persönlich Angebote, besonders auch solche in den Schulferien für die Kinder, die daheim geblieben sind.

LokalDirekt: Die Primusschule hat ein Alleinstellungsmerkmal in der Region - und ist vor kurzem aus der Erprobungs- in die Bestandsphase übergegangen, bleibt der Gemeinde also dauerhaft als Institution erhalten. Halten Sie das Konzept für zukunftsfähig?


Ja, unbedingt. Aktuell laufen in Städten wie Münster Demonstrationen von Schülern, die sich alternative Schulmodelle wünschen, die dem Konzept der Primusschule ähneln. Sie wünschen sich eine Schulform, die von der ersten bis zur zehnten Klasse durchläuft - das finde ich sehr spannend, vor allem mit Blick auf die Ähnlichkeiten zur Primusschule.

LokalDirekt: Digitalisierung - ganz Deutschland redet darüber. Und trotzdem werden immer noch Faxe geschickt und Formulare ausgefüllt. Wird die Gemeinde mit Ihnen als Bürgermeister digitaler?


Es geht nicht darum, ob sie es wird - sie muss es werden. Und momentan befinden sich da ja auch schon einige Dinge im Umbruch, obwohl der Prozess selbst natürlich lange dauert. Wenn ich jetzt ad-hoc einen Vorschlag machen sollte, würde ich einen KI-Bürgerlotsen schaffen. An der TU Darmstadt gibt es Spezialisten, die ein solches Software-System innerhalb von zwei bis drei Monaten auf der Homepage der Gemeinde Schalksmühle etablieren könnten. Darüber könnten die Bürger dann online zum Beispiel neue Personalausweise beantragen - inklusive aller notwendigen Formulare und der Angabe der zuständigen Mitarbeiter. Solche Tools könnten uns weiterhelfen - obwohl die Homepage der Gemeinde eigentlich schon gut strukturiert ist, könnte sie durch einen solchen Lotsen noch übersichtlicher werden.

Schalksmühle und das Klima

LokalDirekt: Wir leben in Zeiten des fortschreitenden, menschengemachten Klimawandels. Borkenkäfer und Jahrhundertflut liegen hinter uns, aber, realistisch betrachtet, noch viele weitere Wettereignisse vor uns. Welche konkreten Maßnahmen könnte die Gemeinde ergreifen, um unseren Kindern eine bessere Welt zu hinterlassen?


Eine erste Maßnahme wäre die Aufforstung - in der Hoffnung, dass die neu gepflanzten Bäume weniger abhängig von Klimabedingungen und resistenter gegen Schädlinge sind. Ansonsten sind wir mit dem Klimaschutzkonzept der Gemeinde ja schon auf einem ganz guten Weg - und planen bereits einige Maßnahmen, beginnend mit Photovoltaikanlagen auf öffentlichen Gebäuden bis hin zu dem Markenprozess. Darüber hinaus gibt es ja noch das Paket "2040 Klimaneutral" - das ist natürlich sehr kostenintensiv, weil dazu auch die Wälder gehören, da muss man einige Millionen in die Hand nehmen, um dieses Ziel zu erreichen. Die Gemeinde selbst muss natürlich auch was tun - und damit kommen wir zu einem Punkt, bei dem mir viele widersprechen werden, den ich aber sehr offensiv vertrete: Ich bin für erneuerbare Energien, aber ich bin auch dafür, dass die Gemeinde sich an den Kosten beteiligt. Und nicht zuletzt sollten auch die einzelnen Bürger animiert werden, ihren Teil beizutragen.


LokalDirekt: Und welchen Beitrag könnte jeder Einzelne für das Klima leisten? In welchen Bereichen gehen Sie bereits mit gutem Beispiel voran?

Letztendlich fängt es ja bei Kleinigkeiten an - und auch hier gehen andere Städte bereits mit gutem Beispiel voran, indem sie den Bürgern zum Beispiel Info-Pakete zusammenstellen und unter anderem erklären, wie man bei Toilettenspülungen sparen kann. Und auch bei Wärmemessungen und der Erstellung von entsprechenden Bildern, Dämmung und Heizung kann man sich schon an vielen Stellen individuell beraten lassen. In diesen Bereichen kann jeder Einzelne von uns ohne großen Aufwand und Kosten einen Teil beitragen - inklusive meiner Person.

LokalDirekt: In diesem Zusammenhang darf eine Frage natürlich nicht fehlen: Wie stehen Sie zu dem geplanten Windpark auf dem Worthberg?


Prinzipiell bin ich, wie gesagt, grundsätzlich für Windenergie, und auch der Abstand von 700 Metern zur nächsten Wohnbebauung auf Schalksmühler Gebiet wurde hier ja eingehalten. Insofern werden und können wir als Kommune da keine Bedenken anmelden.

Schalksmühle und das liebe Geld

LokalDirekt: Die Haushaltslagen der Kommunen in der Region sind angespannt. Auch Schalksmühle ist mit einem Defizit aus dem letzten Jahr rausgegangen, wenn auch bei vergleichsweise immer noch hohen Rücklagen. Wie wird sich die Haushaltslage mit Ihnen als Bürgermeister wieder verbessern?


Man muss sich hier manche Dinge auch einfach mal vor Augen halten: Ein durchschnittliches Windrad in Schalksmühle generiert zwischen 20.000 Euro und 60.000 Euro Einnahmen. Die beiden geplanten Windkraftanlagen auf dem Worthberg werden uns Gewerbesteuereinnahmen in Höhe von ungefähr 120.000 Euro im Jahr bringen.

LokalDirekt: Wie stehen Sie zur geplanten Erhöhung der Kreisumlage?


Wenn man sich überlegt, welchen Betrag wir als kleine Kommune jetzt schon jährlich in den Kreis einzahlen - über die normale und die differenzierte Kreisumlage - dann landen wir allein da schon bei einem mittleren, zweistelligen Betrag, also ungefähr 13 Millionen. Das ist für eine kleine Gemeinde wie unsere schon eine riesige Summe - und es wird nicht weniger werden. Zumal wir ja auch, je nachdem, wie es sich mit der MVG ausgeht und deren Umstellung auf Elektro-Busse, und bei den Märkischen Kliniken, die einerseits den Brandschutz für 130 Millionen Euro erneuern müssen, gleichzeitig aber auch noch ein neues Bettenhaus planen für einige Millionen. Und wenn dann die Geldtruhe des Märkischen Kreises soweit geleert ist - aktuell lebt der Kreis ja von seinen eigenen Rücklagen - werden die Kommunen natürlich direkt zur Kasse gebeten. Spätestens dann müssen wir uns eine Lösung einfallen lassen - und eine solche kann nur von allen Bürgermeistern gemeinsam gefunden werden. Die Schalksmühler Interessen sollten in diesem Punkt jedoch klar sein: Möglichst keine höhere Einzahlung, als wir jetzt schon leisten.

LokalDirekt: Und was können Sie tun, um die Gemeinde für die heimischen Unternehmen weiter attraktiv zu halten? Oder, noch besser, dafür zu sorgen, dass sich neue ansiedeln?


Da bin ich ein wenig anders aufgestellt als einige meiner Mitbewerber: Ich sage, dass ich nicht, nur um des Habens Willen, jedes Gewerbegebiet unbedingt erschließen muss. Die Erweiterung von Heedfeld-Süd wird definitiv kommen, da müssen wir nicht drüber nachdenken. Die Frage ist nur, ob diese direkt im Umfang von 10 Hektar erfolgen wird - oder zunächst in einem solchen, der von den Schalksmühler Unternehmen auch wirklich gefordert wird. Ich bin dafür, die Kosten hier im Blick zu erhalten und nur zu erweitern, wenn der Bedarf auch tatsächlich nachgefragt wird.

Schalksmühle und Gäste

LokalDirekt: Wie beurteilen Sie die Lage der Geflüchteten, die in der Volmegemeinde leben? Wo hakt es, und an welchen Stellen läuft es gut?


Ich habe großen Respekt vor Uwe Rittinghaus und der Arbeit des Flüchtlingsnetzwerks. Das hat glaube ich auch dazu geführt, dass hier erst gar keine Probleme mit der Integration entstanden sind, wie es in anderen Städten der Fall ist. Dass die Unterbringung auf dem Jahnsportplatz nicht optimal ist, wissen wir alle - aber wahrscheinlich ist diese Lösung immer noch besser als die gängigen Container. Und auch die Tafel trägt natürlich ihren Teil bei.

LokalDirekt: Wie könnte man die Integration noch weiter vorantreiben?


Indem man mehr Angebote wie zum Beispiel Sprachkurse nach Schalksmühle holt. Die Flüchtlingshilfe ist hier sehr aktiv und trotzdem müssen Flüchtlinge und Asylbewerber für Kurse noch nach Lüdenscheid fahren. Sollte es noch keine speziellen Aktionen/Programme der heimischen Unternehmen und Vereine in Richtung Flüchtlinge geben, muss man sich unterhalten, wie man hier unterstützend tätig werden kann.

Hajo Kapfer
Foto: Herold

Politisches Selbstverständnis

LokalDirekt: Die AfD gründet derzeit in der Region vermehrt Ortsverbände und stellt Bürgermeisterkandidaten - in der Volmegemeinde nicht. Dennoch: Wie stellen Sie sich eine Zusammenarbeit mit der mittlerweile als gesichert rechtsextrem eingestuften Partei und deren Vertretern auf Kreisebene vor?


Ich glaube tatsächlich nicht an den Wahlsieg eines AfD-Kandidaten bei der Kommunalwahl - daher denke ich, dass eine Begegnung auf Bürgermeister-Ebene schon mal ausgeschlossen ist. Bis jetzt ist das Verhältnis zwischen der SPD und CDU sehr gut - da dürfen wir uns gegebenenfalls nicht auseinanderdividieren lassen. Außerdem ist die AfD nach allem, was ich höre, auf Kreisebene auch nicht wirklich aktiv, im Sinne von zahlreich gestellten Anträgen oder vergleichbaren Dingen. Ich für meinen Teil bin froh, ihnen in der Gemeinde nicht begegnen zu müssen.

LokalDirekt: Warum ist eine klare politische Positionierung Ihrer Meinung nach gerade in diesen Zeiten wichtiger denn je?


Ich will jetzt nicht nur auf der Ampel rumreiten - die fand ich persönlich tatsächlich sogar besser als die Vorgänger-Regierung. Die Ampel hat schon auch Sachen angepackt, dabei jedoch sehr schlecht kommuniziert - deshalb ist sie auch gescheitert. Das lässt sich auch auf die kommunale Ebene übertragen: Man muss zu seinem Wort stehen. Und um das den Bürgern auch kommunizieren zu können, muss man seine Entscheidungen schon vorab transparent darstellen. Kurz gesagt: Klare Haltung - und dann auch einhalten, was man versprochen hat.

Fragen an Hajo Kapfer

LokalDirekt: Sie betonen in Ihrem Programm die Bedeutung von Bürgernähe und Transparenz. Wie soll sich das im Alltag eines Bürgermeisters konkret zeigen?


Bürgernähe beginnt mit einer regelmäßigen Bürgersprechstunde. Oder mit der Erreichbarkeit bzw. der Reaktion auf Bürgerfragen. Es kann und sollte jedoch noch weiter gehen. Es gibt die formalen Beteiligungsinstrumente, die in Form der Einwohnerfragestunde bei Ausschuss- und Ratssitzungen teils schon angewandt werden. So haben Rat und Bürgermeister die Möglichkeit, Bürgerversammlungen einzuberufen. Sei es für alle Einwohner oder in einzelnen Gemeindegebieten zu speziellen Themen - ein meines Wissens nach bisher nicht angewandtes Instrument. Informelle Beteiligungen wie ein runder Tisch existieren bereits, jedoch können Bürger auch über sogenannte Planungszellen oder Bürgergutachten einbezogen werden. Dabei erarbeiten zufällig ausgewählte Bürger Empfehlungen zu Themen. Zukunftswerkstätten, Bürgerforen, Bürgerdialoge, ein Jugendparlament oder ein Seniorenbeirat tragen dazu bei, Bürger aktiv an der Gestaltung der Gemeinde zu beteiligen und schaffen damit Transparenz.

LokalDirekt: Sie sprechen vom Ausbau und der Neuschaffung von Radwegen in der Volmegemeinde – zum Beispiel der Weiterführung des Radwegs von Heedfeld nach Dahlerbrück. Wie wollen Sie solche Projekte in Zeiten knapper Kassen finanzieren?


Interessanterweise erhalten wir Zuschüsse für Radprojekte wie den Volmetalradweg, deren Realisierungszeitraum überhaupt nicht abgeschätzt werden kann. Wenn wir uns auf den Weg machen, radfreundlicher zu werden, wird dies auch mit der Beantragung und Nutzung von Fördermitteln einhergehen müssen. Der Abschnitt zwischen Kreuzung Stallhaus und Linscheid ist so ein Beispiel. Manches wird ohne großen finanziellen, dafür nur mit logistischem Aufwand realisiert werden können. Das wird nicht ohne Einschränkungen beim Individualverkehr möglich sein. Heißt zum Beispiel, dass bei Straßen wie der Hälverstrasse oder der Klagebach sich Auto und Rad die Straße teilen müssen. Also Tempo 30 mit Radspuren auf der Fahrbahn.  Außerdem muss richtig geschaut werden, ob sich für Routen nicht bereits bestehende „Wege“ nutzen lassen. So kann eine Fahrt von Stallhaus ins Zentrum vielleicht über den Dahlhauser Kopf durch den Wald in Richtung Schulstrasse erfolgen, anstatt den Flaßkamp runter und über die B54. Der Weg ist vorhanden, die Frage stellt sich nach dem Zustand.

LokalDirekt: Sie wollen neue Kindergartenformen in Schalksmühle erproben – gemeinsam mit bestehenden und neuen Trägern. Welche Modelle schweben Ihnen dabei konkret vor?


Wir brauchen noch einige Kindergartenplätze, vor allem in der U3 Betreuung. Erweiterungen bestehender Kindergärten zur Schaffung zusätzlicher Gruppen sind nicht möglich. Es ist schon geraume Zeit her, dass wir vor einer Situation standen, weitere Kindergartenplätze schaffen zu müssen. Die U3-Betreuung wurde Regelbetreuung. Tagespflegen und der Neubau der KiTa Löh waren die Lösung. Gleichzeitig war auch kurz ein Waldkindergarten im Gespräch. Sicherlich eher für Kinder von drei bis sechs Jahren, aber eventuell eine Möglichkeit, in den bestehenden Gruppen weitere Möglichkeiten für eine U3-Betreuung zu realisieren. So einen Kindergarten gibt es nicht; in anderen Ländern und Kommunen sind diese nicht ungewöhnlich. Hier muss auf die Eltern der zukünftigen Kindergartenkinder im Alter von drei Jahren aktiv zugegangen werden und das Interesse abgefragt werden. Ebenfalls muss die Frage nach dem Träger gestellt werden. Kann solch ein Kindergarten eventuell an einen bestehenden angedockt werden, als eigenständige Gruppe? Bauwagen im Wald in der Nähe zu einer Kindertagesstätte oder einem Kindergarten?

LokalDirekt: Sie schlagen die Einrichtung sogenannter „Themen-Spielplätze“ vor. Was genau können sich Eltern und Kinder darunter vorstellen – und wie realistisch ist die Umsetzung in absehbarer Zeit?


Auch wenn es unpopulär ist, wir werden nicht alle Spielplätze und auch nicht alle Bolzplätze in Schalksmühle dauerhaft erhalten können. Derzeit unterhalten wir 22 Spielplätze im Gemeindegebiet. Wie die Kommune sich die Entwicklung bei den Spielplätzen vorstellt, muss klar in Richtung Bürger kommuniziert werden. Solche Spielplätze müssen zusammen mit den Nutzern entwickelt werden. Mit den Spielplätzen in Stallhaus und Im Winkel wurden in den letzten Jahren zwei Themen- oder Stadteilspielplätze geschaffen. Auch der Spielplatz im Zentrum von Dahlerbrück ist ein kleinerem Maßstab hinzuzuzählen. Aufgewertet werden muss der Spielplatz im Volmepark. In Heedfeld wird der nächste Themenspielplatz entstehen. Natürlich sind sie im Vergleich zu einfachen Spielplätzen beim Bau teurer. Da aber Spielplätze gesetzlich einer wöchentlichen Sichtprüfung, ein- bis dreimonatlich einer Funktionsprüfung und jährlich einer Hauptinspektion unterliegen, sind die Folgekosten auf Dauer geringer. Auch wenn die Investitionen hoch sind, hier muss langfristig gedacht werden.

Klartext

LokalDirekt: Angenommen, es ist ihr erster Arbeitstag als Bürgermeister - mit welchem Projekt fangen Sie, nach dem ersten Kaffee, an?


Ich glaube, das erste Projekt wäre, erst mal alle Mitarbeiter in der Verwaltung richtig kennenzulernen. Wir haben dieses Jahr dort einen riesigen Umbruch: Nicht nur Jörg Schönenberg geht, sondern auch Oliver Emmerichs und Reinhard Voss. Da muss sich das Team dann erst mal ganz neu zusammenfinden - und unter Einbeziehung aller Fachbereichsleiter eine Bestandsaufnahme zu machen und festzustellen, wo Unterstützung gebraucht wird.

LokalDirekt: Welche Schlagzeile würden Sie, in fünf Jahren, gerne über Ihre Amtszeit lesen?


Hajo Kapfer: Er hat seine Versprechen gehalten.

LokalDirekt: Und welche lieber nicht?


Hajo Kapfer: Er hat seine Versprechen nicht gehalten.

LokalDirekt: Gibt es noch etwas zu sagen, was bislang unerwähnt blieb?


Wahrscheinlich viel, aber ad hoc fällt mir nichts ein.

Begründen Sie, warum ausgerechnet Sie der perfekte Bürgermeister für Schalksmühle sind. Ohne groß nachzudenken. Bitte.