Die Genossenschaft Bürger-Energie Lüdenscheid will die Wende hin zu erneuerbaren Energien in Lüdenscheid vorantreiben. Wie halten es die Bürgermeister-Kandidaten Melita Alzorba (parteilos) und Sebastian Wagemeyer (SPD) mit Fotovoltaik, Windkraft und Co.? Um Meinungen und Möglichkeiten auszuloten, hatte die Genossenschaft zum Kandidatencheck eingeladen.
AfD-Bürgermeisterkandidat Thomas Staubach war nicht eingeladen. Es solle über das Wie gesprochen werden, erläuterte Thomas Wagner vom Vorstand der Genossenschaft zum Auftakt der Veranstaltung. Da die AfD den Ausbau der erneuerbaren Energien ablehne, sei ihr Kandidat kein geeigneter Gesprächspartner.
Gesprächsangebote von der AfD gab’s am Donnerstag dennoch. Die Partei hatte einen Info-Stand auf dem Rathausplatz aufgebaut. Thomas Staubach, der AfD-Bundestagsabgeordnete Otto Strauß und Mittelstandsvertreter Sebastian Schulze suchten den Kontakt zu Bürgerinnen und Bürgern. Im Gespräch mit Otto Strauß warf Thomas Staub eine Reihe von kritischen Fragen auf, die aus AfD-Sicht in der allgemeinen Debatte zu kurz kommen.

Unterdessen versammelten sich rund 150 Besucherinnen und Besucher im Jürgen-Dietrich-Forum des Rathauses, um den Kandidatencheck zu verfolgen. Fragen oder Bemerkungen aus dem Publikum waren bei dieser Veranstaltung nicht erwünscht. Die Genossenschaft hatte zuvor Fragen gesammelt, die Moderatorin Elske Langs den beiden Kandidaten stellte.
Die Ausgangslage dabei ist klar. Elske Langs als Vertreterin der Bürger-Energie Lüdenscheid geht der Ausbau viel zu langsam. „Es muss mehr gefördert und gefordert werden.“ Wo steht Lüdenscheid beim Ausbau von Windkraft, Photovoltaik und Batteriespeichern? Ein Balkendiagramm zeigt die Zielwerte für 2040 und 2030 für Deutschland, NRW und Lüdenscheid. Die Bergstadt verfehlt auf diesem Diagramm das Ziel ganz deutlich. „Da ist ganz klar viel Luft nach oben“, räumt Bürgermeister Sebastian Wagemeyer ein. Allerdings nicht, weil die Stadt auf der Bremse stehe. Zahlreiche Faktoren wirkten sich negativ auf das Ausbautempo aus. Es müsse mehr getan werden. Diese Auffassung vertritt auch die von der CDU unterstützte parteilose Kandidatin Melita Alzorba. Im Laufe des Abends wird sie noch sagen: „Erneuerbare Energien sind ein hohes Gut. Ich stelle sie auf eine Stufe mit Menschenrechten und Gleichbehandlung.“
Nachhaltigkeit müsse bei alle Projekten mitgedacht werden, sagen beide. Sebastian Wagemeyer führte aus, dass auf immerhin 45 städtischen Gebäuden Photovoltaikanlagen installiert seien. Auch die neue Musikschule werde noch eine solche Anlage erhalten. Es müssten lediglich noch einige Fragen zur Dachentwässerung geklärt werden. Die Kritik von Elske Langs „Warum hat man das nicht gleich mitgedacht?“ blieb im Raum stehen.
Die Fragen wechseln. Zur Sprache kommen Bodenversiegelung, Bauflächen, das geplante Parkleit-System (Langs: „Womit soll es betrieben werden?“). Klar: mit Strom. Bürgerräte, Amt für Beschwerden und Mobilität. Da verweist Bürgermeister Wagemeyer auf das kürzlich verabschiedete Mobilitätskonzept mit zahlreichen innovativen Ansätzen. Für Melita Alzorba steht dennoch fest: Gerade in Sachen Radverkehr werde sich in Lüdenscheid grundsätzlich nichts ändern. „Wir sind nicht Münster oder Köln.“

Dann geht es in die Bundespolitik. Wie bewerten die Kandidaten die bisherige Arbeit der Regierung im Vergleich zur Vorgängerregierung aus SPD, Grünen und FDP? Melita Alzorba will dazu kein Urteil abgeben. Aber: „Vor Ort sorgen die Parteien schon für mehr Nachhaltigkeit.“ Bürgermeister Sebastian Wagemeyer hat aber eine klare Meinung: „Die Ampelkoalition hatte deutlich mehr innovative Ansätze.“